Facharzt für HNO-Heilkunde, Plastische Operationen, Spezielle HNO-Chirurgie
Dr. Bernd Schuster, München
 

Teilimplantierbare Hörgeräte

Die Schwerhörigkeit des Innen- oder Nervenohres ist weder medikamentös noch operativ zu beheben. Es bleibt somit bei entsprechender subjektiver Beeinträchtigung nur die Möglichkeit, ein Hörgerät zu Hilfe zu nehmen. Bei einer bestimmten Form der Hörminderung können wir unseren Patienten eine besondere Art der Hörgeräteanpassung in Form einer Implantation anbieten. Diese hat sowohl kosmetisch als auch funktionell entscheidende Vorzüge. Durch die Fixierung einer winzigen Sonde im knorpeligen Gehörgang kann das eigentliche Hörgerät quasi unsichtbar in der Ohrmuschelfalte angebracht und bei Nichtinanspruchnahme problemlos wieder abgenommen werden. Der Gehörgang bleibt, anders als bei herkömmlichen Hörgeräten, frei. Dadurch entfällt der störende Verstopfungseffekt, der zwangsweise durch die sonst notwendigen Ohrpassstücke entsteht. Zudem kann dadurch ein weitgehend natürlicher Höreindruck erzielt werden. Der Eingriff wird ambulant und in örtlicher Narkose durchgeführt.


Vollimplantierbare Hörgeräte

Hörgerät

Prinzip und operative Technik

Unter vollimplantierbaren Hörgeräten werden Hörhilfen verstanden, die operativ in die Mittelohrräume eingebracht werden und an die Gehörknöchelchen angekoppelt werden. Ein Wandler überträgt den über ein Mikrofon empfangenen Schall auf die Gehörknöchelchenkette und verursacht eine Vibration, die an das Innenohr weitergegeben wird und die elektromechanische Koppelung erzeugt. Das Mikrofon selbst befindet sich hinter dem Ohr unter der Haut und ist damit ebenfalls nicht sichtbar.

Mit dem von uns favorisierten Hörgerät Carina der Fa. Otologics (www.otologics.com) bezieht sich die Vollimplantierbarkeit auch auf die Energiequelle, die ebenfalls unter die Haut platziert wird. Die Batterien können über ein Fernladegerät durch die Haut aufgeladen werden. In den bisher auf dem Markt verfügbaren Geräten befand sich die Energiequelle entweder auf der Haut oder war unter der Haut mit einer nach aussen geführten Verbindung platziert. Dies war zum einen kosmetisch nicht vollständig befriedigend und zum anderen bestanden dadurch potentielle Infektionsquellen.

Komponenten des Hörgerätes Schematische Darstellung des implantierten Hörgerätes
Komponenten des Hörgerätes Schematische Darstellung des
implantierten Hörgerätes

Die Hörgerät-Komponenten werden durch einen mikrochirurgischen Eingriff in Narkose über einen Schnitt hinter dem Ohr in die Mittelohräume bzw. unter die Haut platziert. Dabei wird der Wandler mittels einer Laserperforation durch eines der Gehörknöchelchen dauerhaft fixiert. Die Primäreinstellung und Justierung erfolgt unmittelbar während der Operation, wobei die eigentliche Funktion erst einige Wochen später aufgenommen wird.

Vollimplantierbares Hörgerät Vollimplantierbares Hörgerät
Vollimplantierbares Hörgerät Verschiedene Fixierungspunkte an den Mittelohrstrukturen

Für wen ist ein vollimplantierbares Hörgerät geeignet?

Prinzipiell ist jeder Patient mit einer Innenohr-Schwerhörigkeit oder einer Mittelohr-Schwerhörigkeit, der mit einem konventionellen Hörgerät zu versorgen ist, auch geeignet ein vollimplantierbares Hörgerät zu tragen. Der Hörverlust wird präoperativ gemessen und der mögliche Hörgewinn mit einem Simulationsverfahren bestimmt.

Die Kapazität der vollimplantierbaren digitalen Hörgeräte ist nicht anders als, die der modernen konventionellen Hörgeräte. Das durch die Ohrpassstücke unangenehme Völlegefühl im Ohr fällt bei den vollimplantierbaren Geräten weg. Auch die häufig zu beobachtenden örtlichen Infektionen der Gehörgänge durch die Ohrpassstücke entfallen. Der wesentliche Vorteil gegenüber den konventionellen Hörgeräten ist allerdings in erster Linie die Unsichtbarkeit und der Tragekomfort. Die Steuerung geschieht mittels eines Senders, der die Lautstärke, Frequenzspektren, und weitere Funktionen modulieren kann. Individualisierte Programme ermöglichen ein schnelles Umschalten auf eine veränderte Umgebungssituation.

Risiken und Komplikationen der Hörgerät-Implantation

Der operative Eingriff ist risikoarm und entspricht dem einer einfachen Mittelohroperation (Tympanoplastik). Begrenzender Faktor für die Lebensdauer des Hörgerätes ist die Batterie, die von der Firma Otologics mit 12 Jahren angegeben wird. Danach muss zumindest die Batterie ausgewechselt werden, was nur über eine Operation möglich ist. Da im allgemeinen jedoch nur die Batterie ausgewechselt werden muss, ist der Zweiteingriff deutlich kleiner als die Primäroperation.

Kosten

Die Kosten des Hörgeräts inklusiv Implantationskosten betragen etwa 20.000 EUR und werden von den gesetzlichen Kassen nicht und von den Privatkassen nur im Einzelfall übernommen.

Audiometrischer Einsatzbereich Audiometrischer Einsatzbereich für
vollimplantierbares Hörgerät
(blau schraffiert)

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